Sebastian Harling erzählt:
Als Blinder auf dem Tandem bei „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfur“
1. Mai 2009
„Es gilt, die 74 Kilometer-Distanz bei „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ zu
absolvieren, die aus zwei annähernd identischen Runden durch die Frankfurter City und von
dort über die Rosa-Luxemburg-Allee Richtung Oberursel und weiter über das leicht gewellte
Terrain des Vortaunus über Steinbach und Schwalbach zurück nach Eschborn führt. Eine
weitgehend flache Streckenführung, die nur in der ersten Runde mit dem Riedberg eine kurze
aber kneifende Steigung enthält.
Start ist in diesem Jahr bereits um 9:00 Uhr, und bei den Vorbereitungen umfängt uns kühler
Nebel, bei Temperaturen um die neun Grad sind die Straßen nass. Noch ein Gel, Flaschen
voll, alles dabei. Während mein Pilot Günther Kulessa das Rad durch das engstehende
Starterfeld manövriert, steigt bei mir die Spannung, auch ohne viel zu sehen: Die Stimme aus
den Lautsprechern zählt die Zeit runter, der Countdown läuft, dann das Geräusch, wenn
Dutzende Fahrer gleichzeitig in die Pedale klicken, der Startschuss fällt, das Rollen vorbei an
den Lautsprechern an der Startlinie, der immer schneller vorbeiziehende Fahrtwind - und
dann weiß man, wir sind auf der Strecke!
Bis Kilometer 45 verläuft alles recht glatt, die Sonne kämpft sich durch den Nebel und
trocknet langsam den Asphalt ab. Details wie Geschwindigkeit, Abzweigungen und enge
Kurven bekomme ich von meinem Piloten Günther angesagt, so weiß ich, wo wir sind und
was ansteht. Das Lenken, Schalten, Bremsen usw. vertraue ich völlig ihm an, doch den
richtig runden Fluss bekommen wir nur, wenn auch ich die kleinen Signale von vorne erspüre
und umsetze. Ist jetzt mehr oder weniger Dampf gefragt, wie weit lege ich mich mit in die
Kurve?
Die erste Runde mit der Riedberg-Steigung liegt nun hinter uns und der Tacho deutet einen
Schnitt so um die 38 Stundenkilometer an. Wir fahren in einem Feld, um mich herum
rauschen die Ketten, man wechselt das eine oder andere Wort mit dem Nachbarn. Eigentlich
alles super - doch dann werden wir in eine Zwangspause geschickt: Plötzlich schert ein
Fahrer nach rechts aus, drängt ein zufällig schräg neben uns fahrendes anderes Tandem
auch nach rechts ab, sodass sich dessen Hinterrad mit dem Schaltwerk in die Speichen
unseres Vorderrades schiebt. Ich höre nur laute Flüche und dann knirschendes Blech und
spüre verschiedene Schläge im Rahmen. Erstaunlicherweise bleiben wir alle senkrecht und
kommen unbeschadet zum Stehen. Anders sieht das bei den Rädern aus: Unser Vorderrad
ist platt mit deutlichen Verbiegungen, und das andere Tandem kann wegen des abgerissenen
Schaltwerks nur noch geschoben werden. Glücklicherweise ist das Bordwerkzeug mit auf der
Strecke und Günther macht uns mit seinen Schrauberqualitäten wieder flott. Vorderrad raus,
neuer Schlauch rein, mit dem Speichenschlüssel die Felge zentriert und wir können
tatsächlich wieder auf die Piste. Am Ende reicht es sogar noch für die schnellste Zeit der
drei Tandems, die auf dieser Distanz ins Ziel kommen.
Trotz des Zwischenfalls wieder ein tolles Erlebnis, wozu ganz wesentlich die Gemeinschaft
mit den anderen Fahrern und Kollegen beiträgt. Das umfängliche Rahmenprogramm bot uns
dann auch reichlich Gelegenheit, diesen Teil der Veranstaltung gründlich auszukosten.“